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Tanz mit der Thermik Tanz mit der Thermik
15. Juni 2026

Tanz mit der Thermik

Nach zwei kühlen und regnerischen Wochen empfing der Vierwaldstättersee die ONYX Flotte von seiner schönsten Seite. Strahlender Sonnenschein, sommerliche 27 Grad und die imposanten Bergketten rund um Brunnen sorgten bereits vor dem ersten Start für eine Kulisse, die jedes Seglerherz höherschlagen lässt. Und wie so oft am Urnersee war schnell klar: Wer hier gewinnen will, braucht nicht nur Speed, sondern vor allem ein feines Gespür für die Thermik.


Als die letzten Yachten am Samstag das Regattagebiet erreichten, setzte sie tatsächlich ein. Die heiss geliebte Urnersee-Thermik. Doch anstatt sich sauber aufzubauen, zeigte sie sich, dank Föhndruck zunächst von ihrer launischen Seite. Winddreher bestimmten die ersten Wettfahrten, bevorzugte Seiten wechselten laufend und selbst erfahrene Taktiker konnten nicht immer erkennen, welche Entscheidung wenige Minuten später noch richtig sein würde. Mal wurde ein mutiger Kurs mit einem grossen Gewinn belohnt, mal zahlte man für denselben Entscheid einen hohen Preis.

 

Besonders eindrücklich war bereits der erste Lauf. Das Feld blieb über die gesamte Wettfahrt erstaunlich eng zusammen. An der ersten Luvboje lagen die ONYX Yachten, angeführt von Azzurra aus dem Segelclub Stäfa, praktisch in Reichweite zueinander. Jede Kreuz, jede Wende und jeder kleine Windvorteil konnten die Rangfolge verändern. Werubau aus dem Segelclub Männedorf nutzte die Chancen am konsequentesten und arbeitete sich Schritt für Schritt an die Spitze. Nach nur 25 Minuten Segelzeit lagen sämtliche ONYX Yachten innerhalb von vier Minuten im Ziel. Selten zeigte sich so deutlich, wie ausgeglichen die Flotte inzwischen geworden ist.

 

Als sich die Thermik im Tagesverlauf weiter südlich deutlich besser entwickelte, reagierte die Wettfahrtleitung wohlüberlegt und verlegte das Regattagebiet nach zwei Wettfahrten unterhalb der Tellsplatte. Dort präsentierte sich plötzlich ein völlig anderes Revier. Kräftige Thermik, grosse Schaumkämme, eine kurze Startlinie und intensive Positionskämpfe sorgten für spektakuläre Szenen. Während sich im dritten Lauf viele Teams an der bevorzugten Seite der Startlinie gegenseitig das Leben schwer machten, wählte das Multisponsor Team César einen anderen Weg. Mit viel Schwung segelte die Crew aus der Seglervereinigung Oberrieden am grössten Gedränge vorbei und fand sich wenig später schlagartig weit vorne im Feld wieder. Ein schönes Beispiel dafür, dass freies Segeln manchmal wertvoller ist als die vermeintlich perfekte Position an der Startlinie.

 

Nach vier abwechslungsreichen Wettfahrten endete ein langer Segeltag erst am frühen Abend zurück im Hafen Fallenbach. Beim traditionellen Stegbier wurde noch lange über Winddreher, knappe Begegnungen, gelungene Manöver und auch die eine oder andere Blessur diskutiert. Was wenige Stunden zuvor noch harte Konkurrenten auf dem Wasser waren, wurde an Land wieder zu jener Gemeinschaft, die den compasscup seit Jahren ausmacht.

 

Der Sonntag zeigte den Urnersee dann von seiner wohl berühmtesten Seite. Bereits am Mittag stand unter der Tellsplatte eine kräftige Thermik mit vier bis fünf Windstärken. Schaumkronen zierten die Wasseroberfläche, Kitesurfer und Windsurfer teilten sich das Revier mit den Segelyachten und auf dem aquamarin schimmernden See herrschte reges Treiben vor der eindrucksvollen Bergkulisse.

 

Auch sportlich blieb es spannend. Das Multisponsor Team Primobau aus dem Zürcher Yacht Club erwischte im ersten Lauf einen hervorragenden Start und erreichte als erste Yacht die Luvboje. Doch die Führung wechselte mehrfach, denn der Wind verlangte den Crews ständige Anpassungen ab. Am Ende setzte sich Azzurra aus dem Segelclub Stäfa durch.

 

Der zweite Lauf spiegelte das gesamte Wochenende nochmals perfekt wider. Beim Start herrschten kräftige vier Windstärken, nur wenige Minuten später fiel der Wind stellenweise stark zusammen. Kaum hatten sich die Crews darauf eingestellt, kehrten starke Böen zurück und stellten alles erneut auf den Kopf. Besonders erfreulich war dabei der Auftritt von Gloor Planzer aus dem Yacht Club Horgen. Das Team segelte zwischenzeitlich auf Podestkurs, ehe ein unglückliches Manöver beim Setzen des Gennakers wertvolle Plätze kostete. Nach insgesamt sechs anspruchsvollen Wettfahrten beendete die Wettfahrtleitung den Regattaanlass frühzeitig. Genügend Rennen waren gesegelt und die Flotte hatte ein Wochenende erlebt, das den Urnersee in all seinen Facetten gezeigt hatte.

 

Den Sieg beim RVB Cup sicherte sich Werubau aus dem Segelclub Männedorf vor den Clubkollegen von S2 Immobilien Promotion und Azzurra aus dem Segelclub Stäfa. Nur einen Punkt hinter dem Podest klassierte sich die Schweizer Weinmanufaktur aus der Seglervereinigung Thalwil. Ein unglücklicher Zusammenstoss mit einem grossen Ast im letzten Lauf machte ein mögliches Podest zunichte.

 

An der Jahresrangliste änderte sich zwar nichts, doch die Abstände bleiben klein und die Saison verspricht weiterhin Hochspannung. Was bleibt, sind Erinnerungen an zwei Sommertage voller Thermik, Schaumkronen, Positionskämpfe und spektakulärer Kulissen. Genau die Mischung, die den Urnersee Jahr für Jahr zu einem der beliebtesten Reviere des compasscups macht.

 

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