Fast 60 Zentimeter fehlten dem Zürichsee Ende September. Nach einem aussergewöhnlich heissen und trockenen Sommer erreichte der See den tiefsten je gemessenen Wasserstand seit Beginn der offiziellen Aufzeichnungen im Jahr 1951. Für die ONYX Yachten bedeutete das: Die gewohnten Bojenplätze im Zürcher Yacht Club waren zu flach. Kurzentschlossen wurde deshalb die Seerose in Wollishofen zum neuen ONYX Hub. Die anderen Bootsklassen des Herbstpreises konnten wie gewohnt im ZYC bleiben.
Am Samstag zeigte sich der Zürichsee nochmals von seiner schönsten Seite. 22 Grad, blauer Himmel und nur wenige Schleierwolken. Weil zum geplanten ersten Start noch kaum Wind vorhanden war, wurde das Innovationsmeeting kurzerhand vorgezogen. Rund 30 Seglerinnen und Segler trafen sich im Restaurant Seerose, das schwebend über dem See eine besondere Kulisse bot, und blickten gemeinsam auf die vergangene Saison zurück. Was hat funktioniert? Wo gibt es Verbesserungspotenzial? Wie soll die Saison 2027 aussehen und welche Herausforderungen gilt es über den Winter zu lösen? Der compasscup lebt vom Austausch innerhalb der Klasse und genau dieser gemeinsame Blick nach vorne gehört inzwischen fest zum Saisonabschluss.
Kaum war das Meeting beendet, ging es aufs Wasser. Das Regattagebiet lag direkt vor der Seerose und tatsächlich hatte die Wettfahrtleitung den Wind gleich mitgebracht. Nach kurzer Wartezeit konnte der erste Start erfolgen. Nur rund eine Windstärke aus Süden, dazu ein See, auf dem sich der Wind höchst ungleichmässig abzeichnete. Ein perfekter Start allein reichte deshalb nicht. Entscheidend war, wer den vorhandenen Druck fand und seinen Speed auch durch die Manöver mitnehmen konnte. Bis zur ersten Rundungsmarke lag das Feld noch eng zusammen. Dann brach der Wind genau dort zusammen. Wer oben an der Boje noch Schwung und Druck mitnehmen konnte, zog plötzlich davon. S2 Immobilien Promotion aus dem Segelclub Männedorf fand genau diese Linie und sicherte sich mit deutlichem Vorsprung den ersten Sieg des Wochenendes. Weniger Glück hatte die Schweizer Weinmanufaktur aus der Seglervereinigung Thalwil: Die Yacht schien zeitweise regelrecht festzukleben. Später zeigte sich der Grund, ein unfaires Spiel. Verwickeltes Seegras hatte das starke Team entscheidend ausgebremst.
Lange blieb der Wind nicht stabil genug für einen nächsten Lauf. Erst um 17 Uhr konnte nochmals gestartet werden. Und plötzlich fühlte sich alles bekannt an. Wieder ähnliche Bedingungen, wieder wenig Wind, wieder war entscheidend, wo sich der Druck auf dem Wasser zeigte. Besonders bei diesen leichten Bedingungen zeigte sich, wie viel mit sauber ausgeführten Manövern und konsequentem Speed herauszuholen war. Mehr lag an diesem Samstag nicht drin. Die Wettfahrtleitung verzichtete aufgrund der langwierigen Bedingungen auf einen dritten Lauf. Am Abend wartete im oberen Stock des Zürcher Yacht Clubs das traditionelle Seglernachtessen. Mit Blick über das Hafenbecken auf die glitzernden Lichter der Stadt liessen die Crews den Regattatag bei gutem Essen und angeregten Gesprächen ausklingen.
Am Sonntag wiederholte sich das Bild. Bei für Mitte September ungewöhnlich warmen 24 Grad ging es nochmals aufs Wasser, doch der erhoffte Wind blieb aus. Um 14 Uhr wurde das Regattawochenende für beendet erklärt. Damit stand auch fest: Mit nur zwei gesegelten Läufen konnte der Act zwar gewertet werden, nicht aber in die Jahresmeisterschaft einfliessen. Dafür wären mindestens drei Läufe notwendig gewesen. Die Jahresrangliste war damit bereits seit dem sechsten Act, der Klassenmeisterschaft in Ascona, entschieden, auch wenn dies damals noch niemand wissen konnte. So brachten die Crews ihre Yachten zurück in ihre Heimathäfen, bevor die ONYX Klasse erneut im Zürcher Yacht Club zusammenfand. Erst beim Stegbier, danach auf dem Floss mitten im Zürcher Seebecken wurde der Saisonabschluss gefeiert.
Sascha Osterwalder verkündete: den Act 8 gewann S2 Immobilien Promotion vor Werubau, beide aus dem Segelclub Männedorf. Azzurra aus dem Segelclub Stäfa komplettierte das Podest. Besonders stark präsentierten sich auch die beiden Multisponsor Yachten Primobau vom Zürcher Yacht Club und César von der Seglervereinigung Oberrieden, die punktgleich mit den Rängen vier und fünf das Podest nur knapp verpassten.
Dann gehörte der Abend der ONYX Familie. Sponsoren, Organisatoren, Unterstützer und Freunde wurden für ihren Einsatz gewürdigt. Unter den anwesenden Sponsoren waren Bruno Sauter von Contrag, Felix Messmer von Wohnbedarf, Philipp Gradmann von Unternehmensberatung Gradmann, Jürg Spuler von Primobau und Christian Fierz von ArchStudio Architekten. Als Dank erhielten sie einen exquisiten Weisswein der Schweizer Weinmanufaktur, deren Logo die Yacht der Seglervereinigung Thalwil schmückt. Die Hauptsponsoren durften sich zusätzlich über grossformatige Bilder ihrer Yacht hinter zehn Millimeter starkem Plexiglas freuen. Auch ONYX Konstrukteur Thomas Cantz und Wettfahrtleiter Sascha Osterwalder wurden für ihren Einsatz geehrt. Ein besonders emotionaler Moment galt dem Gastroteam des Zürcher Yacht Clubs. Gastrochefin Silke verabschiedet sich aus dem ZYC und wurde mit einem grossen Geschenkkorb und einem noch grösseren Applaus verabschiedet. Anschliessend wurde die Saisonrangliste 2026 offiziell verkündet. S2 Immobilien Promotion sicherte sich vor Azzurra und Werubau den ersten Platz und wurde damit nach dem bereits in Ascona gewonnenen Klassenmeistertitel auch zum Saisonmeister 2026 gekürt. Für Azzurra war der zweite Rang ein ganz besonderer Erfolg. Das Team des Segelclubs Stäfa mit Skipper und ONYX Konstrukteur Thomas Cantz hatte in der Geschichte des compasscup noch nie den zweiten Platz in der Jahresrangliste erreicht. 2026 gelang nun erstmals der Sprung auf das Silberpodest. Eine besondere Entwicklung gelang auch Gloor Planzer vom Yacht Club Horgen. Seit 2020 hatte das Team mit nur einer Ausnahme immer den zehnten Rang belegt. 2026 gelang nun der Dreifach-Sprung auf Rang sieben.
Und dann wurde es nochmals ganz ruhig. Apéro auf dem Floss, feine Häppchen, gute Gespräche und der Sonnenuntergang der den Himmel über dem Zürichsee magisch einfärbte. Nach einer Saison voller unterschiedlicher Reviere, Windbedingungen, enger Zieleinläufe und gemeinsamer Erlebnisse war es genau der richtige Moment, um noch einmal zusammen zu feiern. Der compasscup 2026 ist damit Geschichte. Nicht mit einem grossen Regattatag, sondern mit zwei kleinen Wettfahrten, einem historischen Zürichsee und einem grossen gemeinsamen Finale. Und vielleicht passt genau das zum compasscup: Nicht jedes Wochenende lässt sich planen. Aber gemeinsam wird daraus immer eine Geschichte. Fotos Saisonabschlussparty
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