Der Act 2 des compasscups 2026 zeigte eindrücklich, wie nah auf dem Zürichsee Traumbedingungen und völlige Ratlosigkeit beieinanderliegen können. Am Muttertagswochenende empfing der Yacht Club Horgen die Flotte bei frühsommerlichem Wetter, blauem Himmel und einer Kulisse, wie sie schöner kaum hätte sein können.
Direkt vor dem Clubhaus lagen die ONYX Yachten sauber nebeneinander am Steg aufgereiht. Ein Bild voller Vorfreude, Spiegelungen im Wasser und dieser besonderen Ruhe, die man nur kennt, kurz bevor ein Regattatag beginnt.
Und tatsächlich schien der Samstag zunächst Hoffnung zu machen. Über der Halbinsel Au hielt sich überraschend lange ein leichter Ostwind. Eigentlich hätte der Oberwind zu dieser Tageszeit längst verschwunden sein sollen, doch er blieb hartnäckig genug, um die Flotte aufs Wasser zu locken. Die Yachten liefen aus, die Spannung stieg, die Startvorbereitungen begannen. Doch kaum war alles bereit, brach der Wind wieder zusammen. Erst herrschte vorsichtiger Optimismus, dann Stillstand. Wartende Yachten auf spiegelglattem Wasser, prüfende Blicke Richtung Ufer und Himmel, Gespräche zwischen Hoffnung und Erfahrung. Was als nächstes folgte, war Segeln in seiner unberechenbarsten Form.
Deutlich später frischte der Wind plötzlich wieder auf, diesmal aus Westen. Die ONYX und Esse Yachten liefen erneut aus, erneut zwischen Meilen und der Halbinsel Au. Der erste Lauf begann bei kaum spürbarem Wind und entwickelte sich sofort zu einem taktischen Ausnahmezustand. Der Wind drehte während des Rennens gefühlt durch alle Himmelsrichtungen. Noch während die ersten Yachten aufkreuzten, setzten Teams im hinteren Feld bereits den Gennaker, weil der Wind stark gedreht hatte. Leichteste Böen kamen aus allen Richtungen, Windlöcher verschluckten ganze Yachten, während wenige Meter daneben bereits wieder Fahrt aufgenommen wurde. Teilweise segelten Boote praktisch nebeneinander und doch unter völlig unterschiedlichen Bedingungen. Die Windstander auf den Yachten drehten sich pausenlos in alle Richtungen, ständig suchten die Augen der Crews nach dem nächsten Hauch Druck auf dem Wasser.
Mitten in diesem Chaos gelang es dem Team S2 Immobilien Promotion aus dem Segelclub Männedorf, sich früh vom Startfeld abzusetzen. Doch selbst die Führenden waren nicht sicher. Beim Setzen des Gennakers an der ersten Rundungsmarke verlor das Team plötzlich wertvolle Meter und das Team Gloor Planzer vom einheimischen Yacht Club Horgen rückte gefährlich nahe heran. Immer wieder verschoben sich die Abstände, immer wieder mischte der Wind das Feld komplett neu durch. Genau das machte diesen Lauf so faszinierend. Niemand konnte sich sicher fühlen. S2 Immobilien Promotion behielt am Ende dennoch die Übersicht und brachte die auf eine Runde verkürzte Wettfahrt als Sieger ins Ziel.
Kaum war dieser Lauf, eine der kuriosesten Wettfahrten der jüngeren compasscup Geschichte beendet, änderte der Zürichsee erneut seinen Charakter. Der Wind drehte Richtung Nord und die frischte deutlich auf. Aus vorsichtigem Tasten wurde plötzlich dynamisches Segeln bei stabiler Bise. Und mit dem neuen Wind kam eine völlig andere Regatta.
Die Favoriten der Gesamtwertung entschieden sich nach dem Start fast geschlossen für die linke Seite der Kreuz. Doch dort wartete diesmal nicht der Vorteil, sie hatten sich allesamt geirrt. Währenddessen setzten sich einige Teams auf der rechten Seite ab und fanden genau dort perfekte Bedingungen. Besonders das Team Schweizer Weinmanufaktur aus der Seglervereinigung Thalwil erwischte den perfekten Moment. Das Team übernahm schnell die Führung und verteidigte sie souverän bis ins Ziel.
Für die lautesten Emotionen sorgte jedoch Gloor Planzer. Das Team aus dem Yacht Club Horgen segelte stark, mutig und konzentriert und sicherte sich den letzten Podestplatz des Laufes. Kaum durch die Ziellinie brach grosser Jubel aus. Crew, Zuschauerboote und sogar die Wettfahrtleitung freuten sich sichtbar mit. Nach vielen Regatten im hinteren Feld gelang dem Heimteam endlich der Sprung ganz nach vorne. Genau solche Momente machen den compasscup aus.
Auch der dritte Lauf wurde verkürzt gesegelt, denn es war eigentlich schon Zeit zum Nachtessen, doch inzwischen hatten sich die Bedingungen geglättet. Die Bise blieb stabil bei guten zwei Windstärken, die ONYX glitten mit konstantem Druck über den Zürichsee und der Regattatag fand doch noch einen sportlich würdigen Abschluss, eine Wettfahrt ohne Windroulette.
Der Sonntag brachte dann nochmals ein völlig anderes Bild. Sonnenschein, heisse Temperaturen und... kein Wind mehr. Die Flotte wartete an Land, genoss die Stimmung im Yacht Club Horgen und vertrieb sich die Zeit mit dem neuen Regattaspiel von ONYX Konstrukteur Thomas Cantz, das bereits eine Woche zuvor im Zürcher Yacht Club für Begeisterung gesorgt hatte. Wieder standen Seglerinnen, Segler und Gäste gemeinsam um das Spielbrett, diskutierten Taktiken und analysierten Linien fast so intensiv wie auf dem Wasser selbst.
In der Gesamtwertung des Acts setzte sich S2 Immobilien Promotion aus dem Segelclub Männedorf vor Schweizer Weinmanufaktur aus der Seglervereinigung Thalwil und Azzurra aus dem Segelclub Stäfa durch. Besonders bemerkenswert war der starke vierte Platz von Gloor Planzer. Für das Heimteam aus Horgen bedeutete dieses Wochenende einen der grössten sportlichen Schritte der vergangenen Jahre und entsprechend gross war die Freude im ganzen Club.
Nach diesem windreichen, windlosen, chaotischen und gleichzeitig wunderschönen Muttertagswochenende richtet sich der Blick nun bereits auf Pfingsten. Dann wartet mit der Langstreckenregatta von Zürich nach Rapperswil der nächste grosse Höhepunkt der Saison.
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